Entscheidungen auf mehreren
Ebenen treffen

 

Wie funktionieren Entscheidungen auf mehreren Ebenen?

Es gibt nur einen Grund um Unternehmen in mehreren Ebenen zu organisieren: Um die unterschiedlichen Planungshorizonte, die Unternehmen haben, miteinander zu verbinden und große strategische Aufgaben in bearbeitbare Häppchen zu schneiden und umzusetzen.

Um dieser Strukturierung auch Sinn zu geben, bedarf es Ermächtigung. Verantwortliche auf allen Ebenen sind ermächtigt – auf Basis von bisherigen Ergebnissen oder anderer Grundlagen – Entscheidungen zu treffen, das Unternehmen zu steuern.

Dadurch ergibt sich eine entscheidende Konsequenz: Die Verantwortlichen jeder Ebene haben die Befähigung und die Ermächtigung, Entscheidungen innerhalb ihres Gestaltungsspielraumes zu treffen (ohne Entscheidungsgrundlagen vorab durch Teammeetings, Lenkungskreise oder andere Hierarchien jagen zu müssen).

Ermächtigung alleine reicht jedoch nicht aus. Wer zur Entscheidung ermächtigt ist, benötigt immer noch eine Entscheidungsgrundlage. Das impliziert, dass Teams zeitnahe Produktinkremente liefern können, auf Basis derer Feedback eingeholt und die Planung angepasst werden kann. Agile Werte und Prinzipien wie frühe und regelmäßige Lieferung, Offenheit und das arbeiten nach einem Takt ermöglichen es Unternehmen, diese Verhalten zu institutionalisieren.

Eine Einladung zu Dezentralisierung und Föderalismus?

Don Reinertsen geht dabei davon aus, dass ausschließlich unübliche Entscheidungen und solche die weitreichende Folgen oder überdurchschnittlich hohe Skaleneffekte haben, zentral getroffen werden sollten. Dem gegenüber sollten regelmäßig auftretende und zeitkritische Fragen, sowie Entscheidungen, welche spezifische oder lokale Informationen oder Technologien benötigen, dezentral getroffen werden. Die detaillierte Ausgestaltung eines Produktes ist ein typisches Beispiel für letzteres.

Veranschaulichen wir das anhand eines Beispiels – einer Buchhandlung, welche im Rahmen eines Pilotprojektes Kunden eine Form von Sitzbereich zur Verfügung stellen möchte, in der heiße und kalte Getränke konsumiert werden können, um Kunden ein ansprechenderes Einkaufserlebnis zu bieten und zum Verweilen in der Filiale und zum Schmökern einzuladen.

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Was bedeutet das für die einzelnen Ebenen?

Ich muss nicht gleich eine Starbucks-Filiale in einer Buchhandlung eröffnen, um meinen Kunden die Möglichkeit zu geben, in der Filiale Kaffee zu trinken. Wenn neben meiner Buchhandlung ein Starbucks ist, kann es schon reichen, einen Bereich zur Verfügung zu stellen, in dem Kunden ihre mitgebrachten Getränke konsumieren können, dort Sitzmöbel und Mülleimer aufzustellen und ein Schild an die Türe hängen, dass man das man seinen Kaffee jetzt mit reinnehmen darf. Stellen die Mitarbeiter nach einem Monat fest, dass das Angebot nicht genutzt wird, spart man sich einen langwierigen Filialumbau.

Ergibt sich im Gespräch mit meinen Kunden, dass statt den angebotenen zwei Teesorten eine etwas breitere Auswahl gewünscht wird, zieht ein Mitarbeiter der Filiale los und erfüllt diesen Kundenwunsch – um zwei Wochen später zu evaluieren, ob das breitere Sortiment Anspruch findet. – Am Ende eines mittleren Zykluses wird man die gemachten Erfahrungen zusammenfassen und gemeinsam überlegen, mit welchem Sortiment man in der nächsten Filiale startet, in der das Konzept angeboten wird.


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