Zusammenfassung

Der Zweck der Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung (PPQA) (CMMI-DEV) ist, den Mitarbeitern und dem Management objektiven Einblick in Arbeitsabläufe und in Beziehung stehende Arbeitsergebnisse zu bieten.

Beschreibung

Das Prozessgebiet »Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung« umfasst folgende Tätigkeiten:

  • Durchgeführte Prozesse und Arbeitsergebnisse objektiv anhand anwendbarer Prozessbeschreibungen, Verfahren, Normen und Standards bewerten
  • Identifizierung und Dokumentation von Abweichungen
  • Rückmeldungen an Projektmitarbeiter und Führungskräfte über die Ergebnisse der Qualitätssicherungsaktivitäten
  • Sicherstellen der Bearbeitung von Abweichungen
Das Prozessgebiet »Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung« unterstützt die Lieferung hochwertiger Produkte, indem es Projektmitarbeitern und Führungskräften über den gesamten Projektlebenszyklus auf allen Ebenen angemessene Einblicke und Rückmeldungen über Arbeitsabläufe und in Beziehung stehende Arbeitsergebnisse bietet. Die Praktiken im Prozessgebiet »Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung« gewährleisten, dass die geplanten Arbeitsabläufe umgesetzt werden, während die Praktiken im Prozessgebiet »Verifizierung« dafür sorgen, dass die spezifizierten Anforderungen erfüllt werden. Diese beiden Prozessgebiete können gelegentlich dasselbe Arbeitsergebnis betreffen, aber aus unterschiedlichen Perspektiven. Projekte sollten die Überschneidung nutzen, um doppelten Aufwand zu vermeiden, und gleichzeitig darauf achten, verschiedene Perspektiven beizubehalten. Objektivität bei den Bewertungen zur Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung ist entscheidend für den Projekterfolg. (Die Definition von »objektiv bewerten« finden Sie im Glossar.) Objektivität wird durch Unabhängigkeit und durch die Verwendung von Kriterien erreicht. Eine Kombination von Methoden zur kriterienbasierten Bewertung wird häufig von Personen angewendet, die nicht am Erstellen des Arbeitsergebnisses beteiligt sind. Weniger formale Methoden können für einen breitflächigen Einsatz im Alltag verwendet werden. Formale Methoden lassen sich in bestimmten Abständen einsetzen, um Objektivität zu gewährleisten.
Beispiele für Methoden zur Durchführung objektiver Bewertungen umfassen:
  • Formale Audits durch separate Qualitätssicherungsorganisationen
  • Peer-Reviews, die mit unterschiedlichen Graden an Formalität durchgeführt werden können
  • Ausführliche Überprüfung der Arbeit an den Stellen, an denen sie stattfindet (beispielsweise »Schreibtisch-Audits«)
  • Verteilte Überprüfung und Kommentierung der Arbeitsergebnisse
  • In die Prozesse eingebaute Prozessprüfungen, wie eine Sicherung gegen inkorrekte Prozesse (z.B. Poka-Yoke)
Traditionell bieten Qualitätssicherungsmitarbeiter, die vom Projekt unabhängig sind, Objektivität. In manchen Organisationen kann jedoch ein anderer Ansatz angemessen sein, die Rolle der Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung ohne diese Art von Unabhängigkeit umzusetzen.
In einer Organisation mit einer offenen, qualitätsorientierten Kultur kann die Rolle der Prozess-und Produkt-Qualitätssicherung beispielsweise teilweise oder ganz von Gleichgestellten übernommen und die Qualitätssicherungsfunktion in die Arbeitsabläufe eingebettet werden. Bei kleinen Organisationen kann diese Einbettung der praktikabelste Ansatz sein.ei Bedarf außerhalb des Projekts verfolgt und nach oben gemeldet.
Wenn Qualitätssicherung in die Arbeitsabläufe eingebettet wird, sollten einige Fragen geklärt werden, um die Objektivität zu sichern. Jeder, der Qualitätssicherungstätigkeiten durchführt, muss in Qualitätssicherung ausgebildet werden. Wer Aufgaben zur Qualitätssicherung für ein Arbeitsergebnis durchführt, sollte getrennt von denen arbeiten, die es entwickeln oder pflegen. Ein unabhängiger Berichtsweg zur entsprechenden Managementebene sollte zur Verfügung stehen, damit Abweichungen im notwendigen Umfang nach oben gemeldet werden können.
Bei der Umsetzung von Peer-Reviews als objektive Bewertungsmethode sollten beispielsweise folgende Aspekte angesprochen werden:
  • Die Mitarbeiter werden ausgebildet und denjenigen, die bei den Peer-Reviews anwesend sind, werden Rollen zugewiesen.
  • Einem Beteiligten am Peer-Review, der das Arbeitsergebnis nicht erstellt hat, wird die Rolle für die Qualitätssicherung zugewiesen.
  • Es stehen Checklisten auf der Grundlage von Prozessbeschreibungen, Normen und Verfahren zur Verfügung, um die Tätigkeiten zur Qualitätssicherung zu unterstützen.
  • Abweichungen werden im Bericht des Peer-Reviews festgehalten und bei Bedarf außerhalb des Projekts verfolgt und nach oben gemeldet.
Qualitätssicherung sollte in den frühen Projektphasen anfangen, um Pläne, Arbeitsabläufe, Verfahren, Normen und Standards zu etablieren und dadurch einen Mehrwert für das Projekt zu schaffen und die Projektanforderungen und die organisationsweiten Leitlinien zu erfüllen. Diejenigen, die Tätigkeiten der Qualitätssicherung durchführen, nehmen an der Erstellung von Plänen, Arbeitsabläufen, Verfahren, Normen und Standards teil, um sicherzustellen, dass sie den Projektbedürfnissen entsprechen und für die Bewertung der Qualitätssicherung verwendbar sind. Außerdem werden die im Verlauf des Projekts zu bewertenden Arbeitsabläufe und zugehörigen Arbeitsergebnisse bestimmt. Diese Festlegung kann auf Stichproben oder auf objektiven Kriterien beruhen, die mit den organisationsweiten Leitlinien, Projektanforderungen und -bedürfnissen übereinstimmen. Wenn Abweichungen erkannt werden, werden sie zunächst innerhalb des Projekts angegangen und dort wenn möglich behoben. Abweichungen, die nicht innerhalb des Projekts behoben werden können, werden zur Lösung an eine geeignete Managementebene eskaliert. Dieses Prozessgebiet bezieht sich auf Bewertungen von Projekttätigkeiten und Arbeitsprodukten sowie auf organisationsweite Tätigkeiten (z.B. Prozessgruppen und organisationsweite Aus- und Weiterbildung) und Arbeitsergebnisse. Für organisationsweite Aktivitäten und Arbeitsergebnisse sollte der Begriff »Projekt« angemessen interpretiert werden.
In agilen Umgebungen neigen Teams dazu, sich auf die unmittelbaren Erfordernisse der Iteration zu konzentrieren statt auf die langfristigen und breiteren Erfordernisse der Organisation. Damit der Wert und die Effizienz objektiver Bewertungen erkannt werden, besprechen Sie frühzeitig folgende Themen: (1) wie objektive Bewertungen ausgeführt werden, (2) welche Prozesse und Arbeitsergebnisse bewertet werden, (3) wie die Ergebnisse der Bewer-tungen in die Rhythmen des Teams eingearbeitet werden (z.B.im Rahmen täglicher Besprechungen, durch Checklisten, PeerReviews, Tools, kontinuierliche Integration oder Retrospektiven) (siehe »Interpretation von CMMI bei der Verwendung agiler Vorgehensweisen« in Teil I).

Referenzen

Mehr zum Sicherstellen, dass die ausgewählten Arbeitsergebnisse mit den jeweils festgelegten Anforderungen übereinstimmen, steht im Prozessgebiet »Verifizierung (VER) (CMMI-DEV)«.

Beinhaltet

PPQA.SG 1 Arbeitsabläufe und -Ergebnisse Objektiv Bewerten
Die Einhaltung der anzuwendenden Prozessbeschreibungen, Verfahren, Normen und Standards in durchgeführten Arbeitsabläufe…
PPQA.SG 2 Objektiven Einblick Geben
Abweichungen werden objektiv verfolgt, kommuniziert und beseitigt.
PPQA.GG 1 Spezifische Ziele Erreichen
Die spezifischen Ziele des Prozessgebiets Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung (PPQA) (CMMI-DEV) werden durch die Arb…
PPQA.GG 2 Geführte Prozesse Institutionalisieren
Arbeitsabläufe sind als geführte Prozesse institutionalisiert.
PPQA.GG 3 Definierte Prozesse Institutionalisieren
Arbeitsabläufe sind als definierte Prozesse institutionalisiert.