Zufriedenheit zaubern – Was braucht es, damit es Menschen in Organisationen gut geht?

Neulich in einem kleinen mittelständischen Unternehmen…

Kurzes Aufatmen im Sommer 2020 zwischen Lockdown und Lockdown. Unter Einhaltung aller Hygieneregeln nutzt das Unternehmen wibas im August die Zeit für interne Zusammenarbeit und Weiterbildung – echt physisch im Hygiene-Abstands-Büro. Abends treffen wir uns gemeinsam im Freien zum Grillen. Alle wissen: Diese besondere Zeit macht den Menschen auf ganz unterschiedliche Weise zu schaffen. Manche von uns sind einfach nur genervt von Maske und Abstand. Andere sind frustriert, weil persönliche Pläne nicht verwirklicht werden können – vom Urlaubziel bis zum gewohnten Hobby.

Die veränderte Auftragslage bei wibas hat sich auch keiner ausgesucht. Unter den Kolleg:innen wird deutlich, dass manche mitten im Sommer schon den Winterblues haben. Was das Unternehmen nicht weiß: Wie gut geht es den Mitarbeitenden aktuell bei wibas? Um dem nachzugehen, führe ich eine Befragung durch. „Befragung“ ist in vielen größeren Unternehmen ein unbeliebtes Wort. Viel Aufwand bei der Durchführung und Auswertung, oft wenig Begeisterung bei der Verkündung der Ergebnisse und auch leider oft verbunden mit dem Verdacht, dass sich eh nichts ändern wird.

Mitarbeiterbefragung mal ganz anders

1. Wie geht es dir mit und bei wibas? Auf einer Skala von 0 bis 10 (10 ist sehr gut). Das Ergebnis ist mit 7,5 gar nicht so winterbluesig. Aber vielleicht steckt die Tücke im Detail? Manche haben im Interview laut gedacht und differenziert zwischen „10 für die wibas“ und „Ein Thema nervt mich persönlich, das gibt nur eine 2“ und dann den Mittelwert 6 angegeben.

Viel spannender und klärender waren die Antworten auf die Zauberstab-Fragen.

2. Wenn du einmal zaubern könntest: Was würdest du bei wibas bewahren, wenn du nur eine Sache bewahren dürftest? Ganz oft werden Werte und Begriffe genannt wie: das Miteinander und die Menschen, auf Augenhöhe sein, flache Hierarchien, die Kultur, Agilität und die Möglichkeit zur Selbstorganisation, Transparenz und allgemein die Firmenkultur.

3. Wenn du noch einmal zaubern könntest: Was würdest du bei wibas ändern …? Du darfst nur eine Sache ändern …
Ein bunter Blumenstrauß an Antworten. Teilweise auch widersprüchlich. Manche möchten die Firma wachsen sehen – andere fürchten, dass mit Wachstum das Familiäre verloren gehen könnte. Manche wünschen sich mehr Fokus in den Themen, andere suchen noch mehr Themenvielfalt. Einzelne wünschen sich mehr Lob, höheres Gehalt, weniger Reibung mit einem Teammitglied oder eine größere Chill-Ecke als bisher. Mehrere wünschen sich einen noch bewussteren Umgang mit der Umwelt.

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Aus den Antworten auf die Zauberstabfragen wird auch ersichtlich, dass Aus den Antworten auf die Zauberstab-Fragen wird auch ersichtlich, dass in den Teams von wibas, wo echte agile Teamarbeit den Arbeitsalltag ausmacht, größere Zufriedenheit mit dem Arbeitsumfeld herrscht. Von den Beratern und Beraterinnen, die nur an einzelnen Tagen des Monats in internen Teams arbeiten und bei denen wechselnde Kundeneinsätze den Alltag prägen, wurde diese Zufriedenheit nie geäußert.

Was fangen wir nun mit diesen Ergebnissen an?

Die Umfrage an sich wirkt schon positiv. Sich gehört fühlen. Sich auch mal austauschen.

Das Teilen der Ergebnisse direkt am nächsten Tag in einer gemeinsamen Sitzung beruhigt alle etwas, die vielleicht dachten, es gäbe ein großes Problem. Viele Interviews endeten mit Sätzen wie: „Insgesamt ist das aber alles Jammern auf sehr hohem Niveau.“

Nachdem die Umfrage durchgeführt wurde und die Ergebnisse verdaut sind, erkennen wir drei weiterführende Handlungsstränge. So möchten wir an der Zufriedenheit bei wibas arbeiten:

Die Umfrage und die Verdauung der Ergebnisse ist eingebettet in drei Handlungsstränge, um an der Zufriedenheit bei wibas zu arbeiten:

  • Glück als geteilter Ordnungsrahmen
    Wir wollen Indikatoren für unsere Zufriedenheit festlegen, die wir verwenden können, um unser Glück zu messen und strategische Alternativen zu bewerten.
  • Glück als gelebte Gemeinschaft
    Wir wollen Sozialtechniken üben, die Gruppen von Menschen helfen, sich aufeinander einzulassen und co-kreativ innovativ zu werden
  • Glück als geübte Kompetenz
    Wir wollen Achtsamkeitspraktiken gemeinsam erkunden, um einen Zugang zu Glück, Zufriedenheit und den eigenen Bedürfnissen zu schaffen und sich so besser kennenzulernen.

Konkret gibt es jetzt einzelne Initiativen der Mitarbeitenden, die daran weiter arbeiten. Und das in der kurzen Zeit, die wir für interne Verbesserung nutzen. Wir wollen nicht alle Punkte aus der Befragung brav erledigen. Stattdessen schauen wir in gemeinsamen Sessions, welcher der Punkte jetzt gerade besonders wichtig ist, wo unsere Energie hingeht.

Zu einem der nächsten Treffen bringen zwei Kolleginnen ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus Konfliktmanagement und Mediation ein. Sie bereiten etwas vor, damit persönliche Befindlichkeiten anders adressiert werden können.

Manche fühlen sich eher berufen, einzelne Impulse zur Achtsamkeit in die Runde zu geben.

Die Interessengemeinschaft „Green wibas“ bekommt noch einmal Aufwind.

Und einige Punkte aus der Befragung eignen sich vielleicht direkt als Indikatoren für die Zufriedenheit bei uns in der Firma.

Sicherlich ist das Modell dieser Befragung auf Unternehmen mit mehreren hundert oder tausend Mitarbeitenden nicht übertragbar. Aber in allen Menschengruppen, in denen Gemeinschaft tatsächlich empfunden werden kann, soziale Beziehungen und Interaktionen entstehen können, ist so eine Stimmungsabfrage mit vertretbarem Aufwand machbar – also vielleicht im eigenen Team, im eigenen Kollektiv, in der eigenen Abteilung.

Es ist gut zu wissen, was uns Zufriedenheit verschafft, damit wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder darauf lenken können. Er wäre übertrieben zu schließen mit: „Und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende…“  Aber zufriedener leben wir schon – und arbeiten weiter daran.

Fortsetzung folgt.

Über die Autorin:
Astrid Meyser ist Agile Coach und Change-Management Expertin bei wibas

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3 Gedanken zu „Zufriedenheit zaubern – Was braucht es, damit es Menschen in Organisationen gut geht?“

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