Agile Mythen: Agilität löst alle meine Probleme

 Agilität – Lösung für alle Probleme: Wir laufen nicht mehr über Projektzeiten und -budget, unsere Kunden sind immer zufrieden mit dem Ergebnis unserer Arbeit und wir arbeiten erfüllt und motiviert. Die agilen Methoden werden gern als Weg zu solchen Ergebnissen gesehen. Aber gibt es so ein Wundermittel überhaupt? Eines ist sicher, auch für diese Nachfrage gibt es einen Markt.
Agilität als Kultur

Agilität gibt vor allem eins mit an die Hand, eine Kultur mit Werten und Prinzipien, die ein Unternehmen von Grund auf verändern kann, wenn man sich darauf einlässt.

Agiler Tempel (Scrum Werte & Prinzipien für hochperformante Teams)

Während die Werte für jeden einzelnen und damit die Organisation ein festes Fundament bilden, kann man die Prinzipien als Säulen verstehen, die die Organisation aufrecht halten. Das Dach besteht dann aus jener Methode die für Menschen, Arbeitsprozesse und Umfeld am nützlichsten ist.

 

Ähnliche Formulierungen zu Werten und Prinzipen sind schon im Agilen Manifest und allen agilen & lean Methoden von Design Thinking über Lean Startup bis Scrum und Kanban zu finden. Denn ohne jene Werte und Prinzipien beginnt das ganze Gebäude an zu bröckeln.

Die Methode als Musterlösung für alle Probleme führt nicht zum Erfolg. Erst Werte und Prinzipien – also die Kultur – bringen Leben in Organisationsstrukturen.

Agilität als Wundermittel für überschrittene Projektbudgets und –zeiten.

Gern gekauft, oft nicht so erfolgreich wie gewünscht, aber warum? Was agil leistet, ist schnell transparent zu machen, was die Ursache für die Überschreitung ist. Agiles Arbeiten schafft durch ein paar gute Praktiken, wie inkrementelles Vorgehen mit Reviews und Retrospektiven, genau diese Transparenz. Beispielsweise könnte in einer Retrospektive herauskommen, dass durch die langen Prozesse im Einkauf die Arbeiten nicht in der entsprechenden Zeit geleistet werden können. Wenn das Unternehmen die Ursache für die langen Prozesse dann aus dem Weg räumt, hat Agil tatsächlich dazu beigetragen Überschreitung von Budget und Projektzeit zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Agilität  ist also nicht die Lösung sondern liefert die Chance Ursachen zu erkennen. Was dann? Ursachen abstellen, oder eben nicht.

Agilität als Wundermittel für zufriedene Kunden.

Welche Organisation wünscht sich nicht, dass alle Kunden mit dem Ergebnis des Projekts zufrieden sind. Organisation, die agil arbeiten und es schaffen, ihre Kunden einzubinden, haben einen Vorsprung gegenüber ihren Mitbewerbern: die Chance auf zufriedenere Kunden. Wer seinen Kunden bei der Anforderungsbeschreibung involviert, wird ein gemeinsames Verständnis mit dem Kunden entwickeln, „Was“ er braucht und noch viel wichtiger „Warum“ er es braucht. Wer weiß, was der eigentlich Nutzen für den Kunden ist, kann pro-aktiv reagieren und eine bessere Lösung entwickeln.

Zufriedenheitskurve

Eine weitere Möglichkeit der Kundeneinbindung sind Reviews, um das Feedback des Kunden früh und regelmäßig einzuholen. Je früher ich weiß, was sich der Kunde wünscht, oder ob ich ihn richtig verstanden habe, desto früher kann ich das Ergebnis anpassen. Und damit ein Produkt oder Service mit dem größten Mehrwert für den Kunden schaffen. Ergebnis: Zufriedener Kunde. Und wodurch? Die Agilen Werte & Prinzipien: Transparenz, frühe & regelmäßige Lieferung, Inspizieren & Anpassen und natürlich Mut unfertige Ergebnisse zu zeigen.

Projektmanagementschaukel
Agilität als Wundermittel für zufriedene und motivierte Mitarbeiter.

Der selbstorganisierte und intrinsisch motivierte Mitarbeiter ist, so scheint es, das neue Zielbild für Organisationen. Ein Mitarbeiter, der das Wohl des Unternehmens im Blick hat, seine Entscheidungen entsprechend fällt und die Verantwortung dafür übernimmt. Damit geht dann das Gefühl einher im Bereich der eigenen Fähigkeiten etwas Sinnstiftendes zu tun – das Ergebnis: der zufriedene Mitarbeiter.

Motivation: Autonomy, Mastery & Purpose

Was das leisten soll ist die agile Methode. Auch hier gilt das gleiche Prinzip: Agil hilft herauszufinden, warum meine Mitarbeiter nicht selbstverantwortlich arbeiten wollen oder können oder was sie immer wieder demotiviert und sie davon abhält Verbesserungen für Prozesse, Produkte oder Services einzubringen. Agile Methoden unterstützen durch ihre zugrundeliegende Kultur, welche sie fordern und fördern. Denn nur wo Offenheit , Respekt, Mut, Transparenz und Inspizieren & Anpassen tatsächlich gelebt und gefördert wird, wird herausgefunden, wo die Herausforderungen liegen, die es zu bewältigen gilt, um ein Umfeld zu schaffen, in der Selbstorganisation und intrinsische Motivation möglich ist.

Fazit

Agile Methoden sind also nicht das Wundermittel für alle Probleme. Was sie bringen ist eine Kultur, die hilft bekannte und unbekannte Problemursachen aufzudecken. Was bleibt ist, Bereitschaft diese Kultur zu fordern und zu fördern.

Ob es allerdings zur Lösung der Probleme kommt, hängt davon ab, ob man als Organisation bereit ist eine sich ständig verändernde und entwickelnde Organisation zu sein.

Hier kommt es oft zu den wichtigen Entscheidungen, die zeigen, ob eine Organisation agil ist oder werden will. Dies zeigt, dass man Agil nicht einfach als Methode neu einführen kann, sondern dass es einen Veränderungsprozess braucht, der den Menschen im Fokus hat. Schließlich ist das Ziel eine agile Organisationskultur zu schaffen, die auf Werten und Prinzipien beruht, die nur Menschen leben können.

Eisbergmodell

 

 

Letztendlich bleibt die Frage: Sind wir als Organisation bereit uns immer neuen Herausforderungen zu stellen und uns stets zu verändern?

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