Coaching und Agilität

In agilen Teams wird ordentlich rum-ge-coacht. Mindestens drei Rollen sind mit Coaching beschäftigt. Anlass für mich, mal eine Übersicht zu zeichnen und eine Abgrenzung der Rollen anzubieten.

Diese drei Rollen betrachte ich:

  1. Agility Master
  2. Agile Coach
  3. Personal Coach

Für die agile Methode Scrum ist die Rolle des Scrum Masters klar beschrieben. Sie wird in ähnlicher Weise auch bei anderen agilen Methoden zur Gewaltenteilung eingesetzt, deshalb verallgemeinere ich die Rolle hier zum Agility Master (1). Der Agility Master sorgt für Performanz im Team, er hütet die Methode, schützt die Mitarbeiter und tut alles, was das Team braucht, um gut arbeiten zu können. In reifen Teams übernimmt er die Mitarbeiterführung und Weiterentwicklung. Bei Konflikten arbeitet er als Teamcoach und nutzt auch Einzelcoachings als Arbeitsinstrument.

Die Einzelcoachings mit Teammitgliedern enden dort, wo der Agility Master mangels Neutralität ungeeigneter Gesprächspartner ist, und wenn sein Auftrag „Performanz“ nicht mehr zum Entwicklungswunsch des Coachee passt. Er ist also nicht neutraler Dritter sondern bleibt dem Projektauftrag und seinem Teilaspekt der Führungsverantwortung („sorge dafür, dass das Team gut zusammenarbeitet“) verpflichtet. Gegenüber einem echten Coaching fehlt es an der Freiwilligkeit und an der freien Verhandlung der Coachinginhalte.

Der Agile Coach (2) ist eine häufig mit externen Beratern und nur temporär besetzte Rolle mit dem Auftrag, die Rolleninhaber im agilen Team in ihre Rollen hineinzuentwickeln. Kilby (2013, S. 100) schreibt: „Put simply, an Agile coach is a trained professional who knows how to implement Agile techniques and disciplines across a variety of industries and circumstances.“

Meist liegt der Schwerpunkt darauf, den Agility Master zu unterstützen. Das ist deshalb sinnvoll, weil der Agility Master zu Beginn des agilen Arbeitens die erfolgskritische Funktion ausübt. Außerdem ist der Agility Master derjenige, der die anderen beiden Rollen im Team (Product-/Service Owner und Entwicklungsteam) unterstützt, so dass er hinsichtlich des Coachinginhalts als Multiplikator wirkt.

Der Personal Coach (3) arbeitet unabhängig davon, ob agiles Arbeiten in der Organisation angestrebt oder eingeführt ist. Er wird aktiv, wenn ein Coachee oder das ganze Team einen Kontrakt mit ihm schließt. Sein Fokus ist dabei möglicherweise weiter geöffnet als bei Scrum Master oder Agile Coach, denn er bearbeitet mit dem Coachee auch Entwicklungsthemen jenseits der Agilität, wenn die für den Coachee bedeutsam sind.

Die Grafik oben zeigt die hauptsächliche Wirkrichtung der Coachingarbeit mit Pfeilen: Der Agility Master wirkt auf das Team und auf den Product Owner; der Agile Coach wirkt vorwiegend auf den Scrum Master; der (Personal) Coach wirkt weniger auf die agilen Rollen sondern auf die Personen dahinter und auf die Erweiterung von deren Handlungsspielräumen.

Die Gegenüberstellung in der Tabelle zeigt die Unterschiede in den Aufträgen und im Fokus der drei Coachingrollen.

Es ist also nicht egal, mit welchem der drei Coaches ich als Teammitglied ein bestimmtes Thema angehe. Aus dem jeweiligen Auftrag heraus kann das Thema unterschiedlich behandelt werden.

Beispiel: Ich habe ein Problem in der Zusammenarbeit mit einem bestimmten Kollegen. Meines Erachtens stimmt die Qualität seiner Arbeitsergebnisse nicht, mit denen ich weiterarbeiten soll.

Was machen die drei Coaches daraus?

  1. Der Agility Master wird darauf schauen, ob und wie dieser Konflikt die Teamperformance beeinflusst. Er wird darauf hinarbeiten, dass wir Teammitglieder ausreichend gut miteinander klarkommen, um die Stories im Sprint zu erledigen. Eventuell wird er das Thema einzeln mit uns besprechen. Dabei kann herauskommen, dass einer von uns über seinen Schatten springen muss, um der Sache des Teams zu dienen.
  2. Der Agile Coach wird den Agility Master darin unterstützen, unseren Konflikt zu bearbeiten. Er hat ansonsten im Blick, dass wir Teammitglieder uns unserer Rolle bewusst sind, und dass wir verstehen, wie das Zusammenspiel der drei Rollen im Team zu guter Leistung führt. Dabei kann herauskommen, dass der Konflikt als Übungsfeld für die Reifung des Teams herangezogen wird.
  3. Der Personal Coach wird den Personen helfen, den Konflikt für sich so zu lösen, dass Zusammenarbeit und Miteinander möglich und entscheidbar sind. Er hat dabei den Einzelnen und dessen Selbstwirksamkeit im Blick. Dabei kann auch herauskommen, dass der Konflikt nicht gelöst, sondern umgangen wird, oder die Zusammenarbeit geändert oder gar beendet wird.

Überlege dir also gut, mit welchem Thema du zu wem gehst…

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