Der Agile Festpreis – ein Widerspruch in sich?

Viele vermuten, dass Festpreis und Agilität ein Widerspruch sind. Ein Festpreis ist aber eine gute Sache und passt sehr gut zu Scrum. Das steht sogar im Scrum Guide 😉 .

Festpreis ist nicht Werkvertrag

Zunächst mal: Festpreis und Werkvertrag sind zwei Paar Schuhe. Wir können einen Festpreis vereinbaren (eine Budgetbox sozusagen), aber den Inhalt offen lassen. Oder umgekehrt. Oder beides.

Kann ein Festpreis agil sein?

Wenn Scrum richtig funktioniert, optimieren wir den Wert über Zeit (Budget). Ein Scrum Team liefert jeden Sprint ein lauffähiges Inkrement. Wenn wir ein gegebenes Budget haben, ist zu Budgetende mindestens ein lauffähiges Produkt da. Wenn dann auch noch der Wert richtig optimiert wurde, ist es das Beste was man zu dem Zeitpunkt und dem Budget hätte liefern können.
Besser geht nicht.

Bei Festpreisende kann sich der Auftraggeber (Product Owner) überlegen, ob er weitere Produktfeatures möchte und deshalb mehr Budget (Sprints) investiert, oder ob ihm das Produktumpfang ausreicht. Im Gegensatz zu klassischen Ansätzen ist aber auf jeden Fall etwas Einsatzfähiges vorhanden.

Fazit: ein Festpreis kann durchaus agil sein.

Und wenn nichts rauskommt?

Das Risiko, dass der Lieferant nicht liefert, begrenzen wir auf einen Sprint, wenn wir das potentiell lieferfähige Inkrement und das Sprint Review ernst nehmen. Dann merkt man schnell, ob das Projekt vorwärts kommt oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit des Nicht-Lieferns nach mehreren erfolgreichen Sprints ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Das setzt natürlich voraus, dass das Team jeden Sprint ein lauffähiges Inkrement liefert, und der Auftraggeber sich das auch anschaut. (Genau hier liegt übrigens häufig das Problem von pseudo-agilen Projekten.)

Und wenn wir früher fertig sind?

Für den Fall, dass ein Produkt vor der Budgetbox fertig ist, gibt es die Vereinbarung, dass sich Auftraggeber und Team das Restbudget halbe/halbe aufteilen. In der agilen Welt wird das oft mit dem Schlagwort „Money for Nothing“ bezeichnet. „Money for Nothing“ vermeidet, das Budget verschwendet wird, obwohl es nichts mehr zu tun gibt, und es teilt das Risiko dafür fair auf beide Parteien auf.

Und was ist mit einem Werkvertrag?

Und wenn wir neben dem Festpreis einen Werkvertrag möchten?

Dann geht das relativ einfach pro Sprint: das Sprint Ziel ist ja sowieso ein kleiner Werkvertrag. Es legt das Ziel vom Sprint fest, und lässt dennoch Varianz bei der Umsetzung der Product Backlog Einträge zu.

Beim Gesamtprodukt geht der Werkvertrag ähnlich: Ein „Epic“ oder eine Produktvision sichern ab, dass das Produkt in die richtige Richtung geht, und es lässt gleichzeitig Raum für Änderungen in dieser Richtung („Change for Free„).

Der Auftraggeber sollte sich aber nicht ins Knie schießen, indem er einen Werkvertrag abschließt, der ein detailliertes Product Backlog beinhaltet. Dann ist nämlich der ganze Vorteil vom agilen Vorgehen (dem „Change for Free“) weg.

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