Digitalisierung – eine neue DNA für Organisationen

Es wird zwar viel über den Begriff „Digitalisierung“ diskutiert und geschrieben, aber es ist doch immer noch nicht klar, was Digitalisierung nun eigentlich bedeutet. Einige Begriffe begegnen uns im Kontext der Digitalisierung immer wieder. Sie scheinen somit Eigenschaften der Digitalisierung zu beschreiben.

#DigitaleTransformation und #Echtzeit

Eine dieser Eigenschaften ist die digitale Transformation. Wir sprechen von digitaler Transformation, wenn sich unser Verhalten aufgrund von Technologien nachhaltig verändert. Ein Beispiel: Während wir früher die Kamera ans Auge gehoben haben, um unser Motiv anzuvisieren, schauen wir heute auf das Display unserer Kamera bzw. unseres Handys, um ein Foto zu machen.

Anschließend schauen wir das Bild sofort an und entscheiden, ob es uns gefällt oder nicht. Gefällt uns das Bild, versehen wir es mit einem kurzen Kommentar und laden es auf Plattformen wie Facebook, Twitter oder WhatsApp hoch. Hier können unsere Familie, Freunde, Bekannte und Follower unser Bild in Echtzeit kommentieren und liken. Diese Technologien, die uns vor Internet, Smartphone & Co. nicht zur Verfügung standen, machen es uns leichter, mit anderen in Kontakt zu bleiben.

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Abbildung: Eigenschaften der Digitalisierung

Um also bei der Digitalisierung vorne mit dabei zu sein, müssen Organisationen Lösungen entwickeln, die zusätzliche Lebensqualität bringen. An der Verhaltensänderung ihrer Kunden erkennen Unternehmen, ob ihr Produkt den Markt durchdringt und nachhaltig verändert.

#Plattformen und #Sofortness

Plattformen wie Facebook, Twitter oder WhatsApp schaffen die Basis für eine digitale Transformation. Sie machen Datenströme sichtbar, zum Beispiel mit Hashtags wie #JeSuisCharlie oder #PanamaPapers. Plattformen bieten uns die Möglichkeit, uns in Echtzeit auszutauschen ­– was dazu führt, dass wir auf einen Post auch eine sofortige Reaktion erwarten. Diese digitale Ungeduld wird auch als „Sofortness“ beschrieben. Nehmen wir eine WhatsApp-Nachricht als Beispiel: Der Sender kann sehen, ob der Empfänger seiner Nachricht diese schon gelesen hat. Falls ja, wird die Nachricht mit einem Häkchen markiert. Bekommt er bei einer gelesenen Nachricht nicht sofort eine Antwort, empfinden viele Menschen dies als unhöflich. Von einem Empfänger, der verzögert zurückschreibt, erwartet der Sender eine Entschuldigung.

Plattformen spielen in der Digitalisierung eine zentrale Rolle. Sie dienen als Multiplikatoren, über die Produkte, Organisationen und Dienstleistungen erreichbar sind. Wenn Produkte und Organisationen auf diese Weise erreichbar sind, erwarten die Kunden aber auch eine sofortige Reaktion. Ist das nicht möglich, so kann die Sofortness durch Transparenz besänftigt werden. Viele Lieferdienste bieten zum Beispiel nach der erfolgten Online-Bestellung eine Statusübersicht des Bestellprozesses an. So kann der Kunde verfolgen, ob seine Bestellung bearbeitet oder ausgeliefert wird.

#Dezentral und #MVP

Die Märkte ändern sich rasant, und gleichzeitig verkürzen sich die Produktlebenszyklen zunehmend. Kunden erwarten heute, dass Organisationen in kürzester Zeit auf neue Anforderungen reagieren und diese in ihre Produkte bzw. Dienstleitungen implementieren. Dementsprechend ist es wichtig, schnell auf Anforderungen zu reagieren. Das bedeutet aber auch, dass Organisationen nur diejenigen Anforderungen sofort umsetzen müssen, die für die Kunden wichtig sind. Die weniger wichtigen können später umgesetzt werden. Dies ermöglicht eine Fokussierung auf die Kernfunktionalität und eine iterative Anpassung des Produktes. Ein solches Produkt wird auch „Minimum Viable Product“, kurz MVP, genannt.

MVPs werden schnell auf den Markt gebracht und anschließend iterativ angepasst und verbessert. Für ein solches Vorgehen ist eine große Organisation meist viel zu schwerfällig. Kleine, dezentrale Einheiten können am Markt viel schneller agieren. Also müssen Unternehmen über neue Organisationsformen nachdenken, die eine Dezentralisierung ermöglichen. So können sie Produkte schneller auf den Markt bringen oder wieder vom Markt nehmen. Auch brauchen Unternehmen den Mut, gegebenenfalls ihre eigenen Produkte zu kannibalisieren, das heißt die vorhandenen Produkte durch neuere eigene Produkte vom Markt zu verdrängen.

#Mobile und #Skalierbar

Ein für den Desktop optimiertes Produkt reicht ebenfalls nicht mehr aus, wie beispielsweise der „Media Consumption Forecast“ von Zenith zeigt. Demnach wird das Internet weltweit zu 71 Prozent auf mobilen Geräten genutzt, Tendenz steigend. Diese 71 Prozent zeigen, dass die Mehrheit der Nutzer eine mobile Lösung erwartet – somit kann mobile Technologie als neuer Standard betrachtet werden.

Digitale Lösungen müssen nicht nur mobil erreichbar sein, sondern bei zunehmender Nachfrage auch flexibel skalierbar. „Skalierbar“ meint in diesem Zusammenhang nicht nur den technologischen Aspekt, zum Beispiel Serverkapazität, sondern auch die Form der Organisation. Eine Organisation, die dezentral aufgebaut ist, muss in der Lage sein, bei einem gefragten Produkt schnell mehrere Teams aufzubauen.

#NewDNA und #Change

Organisationen sind gefordert, ihre Produkte als MVPs schnell auf den Markt zu bringen. Technologien und Organisationseinheiten müssen außerdem skalierbar sein, damit flexibel auf eine steigende oder sinkende Nachfrage reagiert werden kann. Dies erfordert eine neue Haltung in der Zusammenarbeit der Menschen, die diese Produkte bauen und in flexiblen Organisationsformen arbeiten. Mitarbeiter müssen ermutigt werden, Experimente einzugehen. Fehler müssen erlaubt sein, damit man gemeinsam daraus lernt. Sonst werden wir weiter versuchen, Produkte mit möglichst vielen Funktionen auf den Markt zu bringen statt MVPs.

Dies sind Veränderungen, die bis in die Werte einer Organisation hineinwirken und einen Kulturwandel erforderlich machen. Häufig wird dieser Kulturwandel als „neue DNA für Organisationen“ bezeichnet. Die Digitalisierung führt zu einer tiefgreifenden Veränderung auf allen Ebenen einer Organisation.

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