Es muss nicht alles agil sein. Oder?

„Es muss nicht alles agil sein in einem Unternehmen. Es kann Abteilungen, Produkte oder Projekte geben, wo wir das nicht benötigen. Wir müssen das jeweils individuell entscheiden.“

„Nee, das funktioniert nicht.“ 

„Wieso?“

„Ich kann nicht ein Unternehmen nach unterschiedlichen Prinzipien und Werten führen. Es zerreißt uns als Organisation in der Zusammenarbeit, wenn wir nach unterschiedlichen Unternehmenskulturen leben.“

„Aber haben wir nicht jetzt schon unterschiedliche Kulturen?“

„Schon, als Folge von Veränderungsprozessen, oder Länderkulturen. Als Unternehmen habe ich jedoch über all diese Kulturen eine Grundkultur, ein gemeinsames Verständnis, das uns als Organisation definiert. Da baue ich doch keine Sollbruchstellen ein.“

 „Ja, ein Bereich agil, einer klassisch, das sehe ich ein, dass das nicht gut geht. Aber muss nicht jeder Mitarbeiter entscheiden können, ob agil jetzt nötig ist oder nicht?“

„Wenn ich agile Lösungen wie Agilität in meine Denk- und Handlungsoptionen als etwas Positives aufgenommen habe – und das auch anwende – dann ist das doch agil. Agil heißt ja nicht, dass ich das auf alles anwende, sondern dass ich agile Denk- und Handlungsweisen als valide Option in mein Handeln ergänzt habe.“

„Da kann ich mitgehen. Aber gibt es nicht Bereiche im Unternehmen, wo agile Denk- und Handlungsweisen gar nicht nötig sind, also nie vorkommen?“

„Agilität ist ja erst einmal die aktuelle Antwort auf die Frage, wie wir mit einer VUCA-Welt umgehen. Und die Frage hat jeder.“

„Moment. Was war VUCA?“

„VUCA steht für Volatil, Unsicher, Komplex und Ambiguität. Damit ist ein Umfeld gemeint, das sich schnell bewegt, Überraschungen bereithält und oft keine eindeutigen Schlüsse zulässt.“

„Ach, du meinst unsere Welt gerade …“

„Ja. Und das „VUCA“-Thema ist nicht neu – alle zwei Jahre halbiert sich der Produktlebenszyklus von Produkten. Wir müssen uns andauernd überlegen, wie wir damit umgehen. ‚Agilität‘ ist gerade der aktuelle Name für die aktuellen Techniken. In 10 Jahren gucken wir wieder.“

„Also, du sagst, die VUCA-Herausforderung hat jeder, und das immer schon, und die aktuellen Antworten haben den Namen ‚Agil‘ bekommen.“ 

„Ja.“

„Aber hat die Herausforderung wirklich jeder? Muss z.B. die Produktion nicht einfach effizienter arbeiten, statt sich zu ändern?“

„Ich glaube, dass die Marktanforderungen nicht vor der Produktion halt machen. Und wenn auf der Marktseite VUCA hereinkommt, dann trifft das am Ende alle. Ich habe hier ein Bild, dass der Produktionsleiter von e.go mal gemalt hat:“

„e.go hat agile Kunden (also Kunden mit sich schnell ändernden, unsicheren, überraschenden und mehrdeutigen Wünschen). Das heißt auch, die Produktentwicklung muss agil sein, um darauf zu reagieren. Das heißt aber auch, dass die Produktion agil sein muss, um die Neuentwicklungen in kurzen Zyklen auf die (Produktions-) Straße zu bringen.“

„Ok, für neue Produkte sehe ich das ein. Aber was ist mit alten Produkten?“

„Naja, die laufen ja nicht ewig. Irgendwann ist der Lebenszyklus vom Produkt zu Ende. Und mit neuen Produkten und mit einen kürzeren Produktlebenszyklus kommen neue Techniken, um mit VUCA umzugehen, herein.  Seit Jahren. Aktuell ist heißt das Kind halt ‚Agil‘. Aber um die aktuelle VUCA-Verkürzung der Lebenszyklen kommt kein Produkt herum, die Frage ist nur, wann es kommt, nicht ob.“

„Du hast jetzt von Produkten geredet. Ist denn alles ein Produkt? Was ist mit Dienstleistungen? Gilt VUCA da auch?“

„Also, erst einmal ist eine Dienstleistung auch ein Produkt, zumindest mal laut Duden. Auch die Dienstleistung hat Kunden, und auch bei den Dienstleistungen ändert sich genauso viel – ich denke da gerade an Zeitungen, Videotheken und so. Und dann könnte man fragen, ob die VUCA Welt auch für karitative Organisationen zutrifft. Aber auch die leben in einer Welt von heute und unterliegen einem Wandel.“

„Also, das heißt: agil trifft jeden?“

„Ja. Man könnte auch sagen: VUCA trifft jeden. Das ist unsere Zeit. Ich kann mich natürlich entscheiden, ob ich etwas mache, wenn es mich trifft. Aber treffen wird es mich. Und diese Erneuerung, die wir diese Tage ‚agil“ nennen, ist ein immer währender Prozess.“

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