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SAFe und OKR kombinieren

Das Scaled Agile Framework (SAFe) hat sich zum De-facto-Standard für die Skalierung der agilen Produktentwicklung entwickelt. OKR (Objectives and Key Results) hat sich als Technik für die Formulierung von Zielen etabliert. Da Ziele eine wichtige Rolle in der Produktentwicklung spielen, möchten wir in diesem Artikel die Rolle von OKRs in SAFe beleuchten.

Wir gehen zuerst auf die Grundlagen von SAFe und OKRs ein. Danach zeigen wir in einem zweiten Schritt die Gemeinsamkeiten / Unterschiede von SAFe zu den OKRs.

David Croome; SAFe Experte bei wibas

Was ist SAFe?

Agilität bietet Lösungen für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Märkte und Kundenanforderungen sind dynamischer und komplexer geworden. Unternehmen müssen deshalb adaptiver und reaktionsfähiger werden.

In vielen Unternehmen werden bereits agile Konzepte umgesetzt. Der erste Schritt ist oft, dass Teams auf agiles und autonomes Arbeiten umstellen. Die Verbesserung von einzelnen Projektteams reicht aber nicht mehr aus. Deshalb suchen viele Unternehmen nach Lösungen, welche die gesamte Organisation Agil ausrichten.

Wer sich am Markt umschaut findet einige Rahmenwerke, die Muster bieten, um die eigene Organisation agil zu skalieren. Am Markt finden sich mehrere Modelle: Scaled agile Framework (SAFe), Large-Scale Scrum(LeSS), Disciplined Agile, Nexus, Scrum@Scale oder das Spotify Modell. Marktführer bei den Scaling Frameworks ist SAFe mit einem Marktanteil von etwa 35%.

Quelle: 14th annual State of Agile Report

Was ist das SAFe Framework?

SAFe ist eine öffentlich zugänglich Wissensdatenbank, die auf Techniken, Werten und Prinzipien von Lean und Agile basiert. Die Techniken („Mechanik“) sind wichtig, aber die Prinzipien liefern die zugrunde liegende Philosophie und erklären das „Warum“.

In den Wissensbeständen von Lean und Agile fest verankert ist SAFe ein mehrstufiges Organisationsmodell für Business Agilität. Das Lean-Agile Mindset ist der Grundstein für einen verbesserten Managementansatz und eine verbesserte Unternehmenskultur.

Der Link zum Scaled Agile Framework

Das SAFe „Big Picture“ bietet einen Einstiegspunkt in das Framework von bewährten Arbeitsmustern für Lean-Agile im großen Maßstab. Jedes Objekt des Big Pictures auf der SAFe Webseite ist anklickbar und bietet detaillierte Informationen zum ausgewählten Thema.

Das SAFe Framework lässt sich in drei Konfigurationen aufteilen. Essential SAFe ist der Kern in dem Framework und umfasst die Ausführung von Epics und Features, die minimalen Rollen und notwendigen Events. Dieser Kernbereich ist am Markt etabliert und gefestigt.

Die Konfiguration um Portfolio SAFe befasst sich mit der strategischen Entwicklung. Hier gab es in den letzten Jahren viele Erweiterungen und Anpassungen. Wie unten weiter ausgeführt beinhaltet diese Konfiguration auch die Umsetzung der OKRs.

Ein Agile Release Train

Der Kern von SAFe ist die synchronisierte Ausführung von Initiativen durch einen sogenannten „Agile Release Train“ (ART). Ein ART ist eine unternehmerische „Zelle“ von 6-12 hoch integrierten funktionsübergreifenden Teams, die in einer Scrum- oder Kanban-Form arbeiten. Der ART liefert und integriert ein Inkrement der Lösung in jedem zweiwöchigen Sprint.

Die gesamte ART kommt ungefähr jedes Quartal (typischerweise alle 5 Sprints) zusammen, um ein „All-Hands“-Event abzuhalten, bei dem die wichtigsten Ergebnisse mit den Business Stakeholdern demonstriert/überprüft werden, der Fortschritt auf der Roadmap bewertet wird und die Pläne für das nächste Quartal detailliert und verbindlich festgelegt werden.

Was sind OKRs?

OKRs steht für „Objectives and Key Results“. OKR ist eine Methode für Unternehmen, Bereiche und Teams, um eine Ausrichtung zu schaffen und ihre ehrgeizigen Ziele in der Messbarkeit zu unterstützen. Zwei Dinge machen OKR aus: Zum einen geht es darum, Geschäftsziele (die Objektives) mit je ein paar Schlüsselergebnissen (den Key Results) messbar zu machen. Zum anderen gehört zu OKR, die Ziele regelmäßig zu überprüfen und anzupassen.

Ein wichtiger Aspekt des OKR-Ansatzes ist es, die Schlüsselergebnisse als „Outcomes“ (Auswirkungen) und nicht als „Outputs“ (Leistungen) zu definieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt von OKR ist, die definierten Ziele häufig nachzuverfolgen, zu bewerten und und ggf. anzupassen. Dies erfolgt normalerweise vierteljährlich. Somit kann regelmäßig überprüft werden, ob die Zielausrichtung noch richtig ist oder ob diese eventuell angepasst werden muss. So kann flexibel auf neue Rahmenbedingungen eingegangen werden.

Das Ziel von OKR ist es, die Kommunikation innerhalb des Unternehmens zwischen den verschiedenen Abteilungen und Ebenen zu fördern. Zudem sollen OKRs sicherstellen, dass alle Beteiligte in die gleiche Richtung laufen, mit klaren Prioritäten und in einem konstanten Rhythmus.

Wie integriert das SAFe-Framework OKR’s?

Auf der Strategie-/Portfolioebene von SAFe werden bewährte Praktiken und Techniken für die Strategieentwicklung und für das Lean-Agile Portfolio Management integriert. Beispielsweise empfiehlt SAFe das Business Model Canvas zur Erfassung des Ist-Zustandes des Unternehmens und zur Formulierung einer Vision der zukünftigen Unternehmensvision. Des weiteren bietet das Framework moderne partizipative Ansätze zur Definition und Anpassung von Budgets auf vierteljährlicher Basis.

SAFe verwendet den Begriff „strategisches Thema“ für die Definition der Geschäftsziele. Diese sollten so formuliert werden, dass der beabsichtigte Unterschied zwischen dem Jetzt und der Zukunft deutlich erkennbar ist.

Diese Geschäftsziele sind der Top-Level-Referenzpunkt für das gesamte Unternehmen und als solcher der Ausgangspunkt dafür, dass alle Bereiche bzw. Organisationseinheiten sie weiter detaillieren können und sicherstellen, dass sie aufeinander abgestimmt sind.

OKRs sind in SAFe als Technik bzw. „Vorlage“ für die Definition strategischer Themen integriert. SAFe empfiehlt dieses Format, um eine einfache Formulierung für das Ziel in Kombination mit Metriken zur Messung des Fortschritts sicherzustellen.

Die Abbildung unten zeigt ein OKR-Beispiel für eine Online-Community-Plattform.

Es gibt zwei primäre Felder in der OKR-Vorlage:

  • „Objective“ = Zielsetzung: eine einprägsame Beschreibung dessen, was man erreichen will. Ein Ziel sollte kurz, inspirierend und herausfordernd sein.
  • „Key Results“ = Schlüsselergebnisse: eine Reihe von Metriken, die Ihren Fortschritt in Richtung des strategischen Themas messen.

Für jedes Ziel sollte es einen Satz von zwei bis fünf Schlüsselergebnissen geben. Das Ziel der Verwendung von OKRs für strategische Themen ist es, deren Fortschritt durch konkrete, spezifische und messbare Aktionen zu definieren und zu verfolgen.

Hinweis: Dies Frameworks oder Methodiken werden zu Beginn oft “klobig” und übervereinfacht in SAFe eingefügt. Sie werden dann in späteren Versionen besser integriert. Dies geschah mit anderen Frameworks wie Lean Startup, Design Thinking und DevOps.

Kann der OKR-Ansatz das SAFe-Framework ergänzen?

OKRs haben ihren Herkunft in Startup-Unternehmen und Bereiche, wo man den etablierten Markt kurzfristig „disrupten“ (durchwühlen/stören) möchte. Die relative kleine Organisation will in einem komplexen, hochdynamischen Kontext lernen, neue Wege entdecken und wachsen. Die Geschäftsziele werden ehrgeizig gesetzt – sie werden häufig als „Stretch“ oder „Moon Shot“ (Mondschuss) beschrieben. In einem solchen Kontext gilt es als Erfolg, wenn die Ziele zu 60-70% erreicht werden. Scheitern ist ein wichtiger Teil des Prozesses.

In den meisten Organisationen, wo SAFe implementiert wird, ist es wichtig Kundenaufträge zu erfüllen. Das Umfeld hat eine gewisse Dynamik, aber die Herausforderung liegt in der Beherrschung der Größe und Komplexität des Problems und des Umsetzungsteams. Ziele werden so festgelegt, dass sie „Commitments“ bzw. Verpflichtungen sind. Scheitern ist nicht angenehm oder sogar gefährlich. Solche Ziele nennt man „Roof Shot“ als Gegensatz zu den „Moon Shot“ Zielen der Startups.

Gemeinsamkeit und Unterschiede von SAFe und OKRs

SAFe und OKR verfolgen beide eine ganzheitliche, bereichsübergreifende Verbesserung des Unternehmens-Wertstroms. Beide bieten einen Rahmen für große Initiativen, die aus der Strategie abgeleitet und mit ergebnisorientierten Zielen und Metriken definiert sind. Beide sind für dynamischen, komplexen Kontexte geeignet, weil sie beide eine agile Neupriorisierung von Initiativen ermöglichen, um die Ausrichtung an der sich entwickelnden Strategie anzupassen.

SAFes Fokus liegt auf die Leistungssteigerung des Produktentwicklungsbereichs durch eine Umorganisation zu agilen produktorientierten Zellen, die in einer hohen Frequenz mit einer gemeinsamen Ausrichtung inkrementell liefern. OKRs Fokus wiederum liegt eher bei der gemeinsame Neuorientierung des Unternehmensgeschäfts ohne die etablierte Organisation infrage zu stellen.

Mehr zu OKR findest du auch hier.

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  1. Ein sehr interessanter Beitrag, für mich zur richtigen Zeit. Einen einzigen Punkt kann ich nicht richtig einordnen: Der Absatz: “Kann der OKR-Ansatz das SAFe Framework ergänzen” enthält die Aussage, dass OKRs nur in Startups verbreitet sind, bzw. in relativ kleinen Unternehmen. Nun arbeitet aber beispielsweise Google auch mit seinen nunmehr 70.000 MA immer noch nach diesem Ansatz. Dass sie das damals “erfunden” haben, bei einer Größe von weniger als 100 MA ist das Eine, dass sie immer noch danach arbeiten ist eben der andere Aspekt.
    Für mich sind OKRs im Wesentlichen mit den Objectives gleichzusetzen. Der Unterschied ist, meiner Meinung nach, dass bei den OKRs die Key Results explizit hervorgehoben sind, bei den Objectives durch die SMART Beschreibung implizit im Text stehen. Oder sehe ich das falsch?

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