Fünf beste Gründe, keine „x beste Gründe …“-Listen zu lesen

Das Internet wird bevölkert von Weisheiten. Manche davon kommen in Listenform und beleidigen den Verstand. Häufig auch den guten Geschmack. Hier sind fünf gute Gründe, warum du niemals einen Artikel lesen solltest, der mit „Die x Gründe …“ überschrieben ist.

1. Du hast schon zu viele solcher Artikel gelesen.

Wenn du das hier liest, dann offenbar deshalb, weil du a) gewohnheitsmäßig auf diese Art von Artikel klickst oder b) weil du dir erhoffst, hier Einsichten zu erhalten, die dir ermöglichen, diese deine Sucht in den Griff zu bekommen. Haste Dich verraten, du Opfer. Neue Listen helfen nicht gegen alte Laster.

2. Es sind mehr oder weniger Gründe als x.

Wer sagt eigentlich, dass die 5 oder 7 oder 10 aufgeführten Gründe die relevanten sind? Meist sind sie eigentlich nur die persönlichen Gründe des Autors. Häufig sind sie nicht ordentlich hergeleitet, begründet und auch nicht auf Vollständigkeit überprüfbar. Die Relevanz der Liste ist nach meiner Einschätzung übrigens umgekehrt proportional zur Reichweite des Webseite. Sorry, Yahoo. Nützliche Listen sind länger und mindestens empirisch abgesichert (z.B. CMMI).

3. Für dich zählen nur deine Gründe.

Wir wissen alle, dass jeder die Welt durch seine eigene Brille sieht, wieso willst du dann durch eine fremde Brille mit dem Raster „… x beste Gründe …“ gucken? Das ist so, also wolltest du das bessere Panorama sehen, indem du durch Butzenscheiben schaust. Erfolg eher unwahrscheinlich. Putz‘ deine Brille und lerne selber zu denken!

4. Wer Bestenlisten schreibt, kann nur in kurzen Absätzen denken.

Eine Liste von Begründungen ist nicht geeignet, eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit einem Thema wiederzugeben. Weder dialektisch im Sinne von These – Antithese – Synthese noch im Sinne eines klassischen Spannungsbogens von Einleitung – Hauptteil – Schluss. Bestenlisten von Gründen sprechen dafür, dass die Dinge nur einzeln angedacht und zubereitet, aber noch nicht im Zusammenhang als Menü komponiert wurden. Und wer sich an Studentenparties erinnert, bei denen irgendwann Wackelpudding, Tzatziki und Chips auf dem Buffet stehen, weiß, was ich mit Menü meine.

5. Gründe sind gar nicht das Problem.

Den meisten Menschen fehlt es bei Entscheidungen für oder gegen eine Sache nicht an echten und falschen Gründen dafür. Sondern an der Energie oder der Idee, wie man daraus eine Handlung ableitet. Wer also was entscheiden will, sollte eher „Morgen beende ich meine Aufschieberitis“ lesen. Aber darüber schreibe ich frühestens übermorgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, an Dritte weitergeleitet oder anderweitig genutzt.