Bücher zum Lesen oder Zurückstellen

In den letzten Wochen habe ich das eine oder andere Buch gelesen. Aus Neugier, beruflichem Pflichtgefühl oder weil es mir zugeschickt und empfohlen wurde. Zu dieser völlig subjektiven Liste gebe ich hier meine Meinung ab. Ob’s Buch eher zurück ins Regal oder in die Auslage gehört.

Fabian Schaub: Wie Unternehmen Menschen entwickeln können. 2019

Gehört in die Auslage. Ein persönliches Buch, das völlig unaufgeregt geschrieben ist, mir nichts verkauft und mir weder nahelegt, bisher alles falsch gemacht zu haben, noch die Illusion auftischt, ab jetzt werde alles anders. Fabian Schaub schafft es, eine eigene Herleitung zu menschenzentrierter Führung zu formulieren, der ich gerne folge.

Davon sind viele Erkenntnisse gar nicht so neu, aber umgesetzt findet man sie ja trotzdem überraschend selten. Für diejenigen, die Checklisten zum Abarbeiten suchen, gibt es im letzten Kapitel einen 10-Punkte Plan, um sich im Schaub’schen Sinne ans Umkrempeln der eigenen Abteilung oder Organisation zu machen. Ich find’s gut.

Mandy und Mario Kraus: Happy Projektmanagement mit Scrum. 2020

Dem orthodoxen Agilisten bleibt gleich schon mal der Titel im Hals stecken. Scrum ist doch für Produkte und nicht für Projekte gedacht. Die beiden Autor*innen treffen trotzdem die Sache auf den Punkt, denn meist wird Scrum zuerst dort ausprobiert, wo bisher Projekte liefen. Ich rechne den beiden Krauses hoch an, dass sie ein undogmatisches, fundiertes und aktuelles Einführungswerk zu Scrum geschrieben haben.

Es schaut rechts und links in die Organisation und streift Methoden jenseits der reinen agilen Welt. Das ist gelungen. Mir ist es insgesamt zu textlastig und zu bildarm, dafür sind die verwendeten Grafiken herunterladbar. Gut für Scrumeinstieger*innen. Denen leistet es gute Dienste, glaub‘ ich. Bei mir kommt’s ins Regal.

Robert Kegan und Lisa Laskow Lahey: An Everyone Culture. 2016

Der Untertitel verspricht Anleitung für eine bewusst entwicklungsorientierte Organisation („Becoming a Deliberately Developmental Organization“).

Dazu liefern die beiden Autor*innen Beispiele aus drei sehr unterschiedlichen Organisationen, die konsequent das Wohlbefinden und die Entwicklung der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt ihres Handelns gestellt haben. Ein Lese-Muss für alle, die an Alternativen zu Zentralsteuerung und Kontrollstrukturen glauben und sich fragen, wie das praktisch gehen kann. Gerade auch für Personalabteilungen wichtig.

Der Transferteil fällt knapp aus und vermeidet wohlfeile Kochrezepte. Ich erkenne daraus, dass jedes Unternehmen den eigenen Weg zum Erfolg finden muss. Gehört raus aus dem Regal und oben auf den Lesestapel. Aber Lesen allein reicht nicht. Es erfordert Mut und Mühe, um daraus eine konkrete Veränderung in der eigenen Organisation zu erreichen.

Das Buch ist bisher nur auf Englisch erschienen.

David J Anderson und Alexei Zheglov: Fit for Purpose, 2019.

Anderson (ja, der von Kanban) hat mit dem Co-Autor Zheglov ein Buch zum besseren Umgang mit Kundenbedürfnissen geschrieben. Es verspricht zu erläutern, „wie Unternehmen Kunden finden, zufriedenstellen und binden“. Dazu spannen sie den Bogen von der Strategie über Marketing bis Umsetzung.

Viele gute Beispiele zu getroffenen oder verpassten Kundenbedürfnissen, aber mir ist das alles immer einerseits sehr plausibel und andererseits zu wenig auf den Punkt. Ich glaube an das Gute und Richtige im Ansatz und wünsche ein Refinement für Fit-for-Purpose, auch damit es die Bezeichnung Framework verdient. Stelle ich zurück ins Regal, bis die nächste Auflage kommt.

Ich habe die deutsche Ausgabe gelesen.

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