Certified Scrum Master (CSM) oder Professional Scrum Master (PSM)? Ein Vergleich.

CSM und PSM sind die beiden anerkannten Scrum Master Zertifizierungen. Wo ist der Unterschied? Wir bieten euch einen ehrlichen Vergleich – geschrieben von einem Scrum Alliance und einem scrum.org Trainer.

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Scrum Alliance

Die Scrum Alliance war die erste Organisation, die ein Zertifizierungsprogramm rund um Scrum anbot und deren Certified Scrum Master (CSM) die bekannteste Zertifizierung ist.

Scrum.org

Einer der Gründer der Scrum Alliance, Ken Schwaber, verließ diese und gründete eine neue Organisation namens Scrum.org, die eine konkurrierende Zertifizierung namens Professional Scrum Master (PSM) eingeführt hat.

Welche Zertifizierung ist besser?

Es gibt keine „bessere“ Zertifizierung. Was man für sich bevorzugt hängt davon ab, was man von der Zertifizierung erwartet, und was die persönlichen Ziele sind. Ich bin Trainer der Scrum Alliance, aber ich kenne auch gute Kollegen von scrum.org. An dieser Stelle vielen Dank an Dominik Maximini (Scrum.org Trainer), mit dem ich diesen Vergleich zusammen geschrieben habe.

Der wesentliche Unterschied zwischen einer CSM und PSM Zertifizierung

Der große Unterschied von Scrum Alliance (Certified Scrum Master – CSM) und Scrum.org (Professional Scrum Master – PSM) ist die Grundlage der Zertifizierung. Bei der Scrum Alliance basiert die Zertifizierung auf einer Interaktion mit einem Certified Scrum Trainer (CST) oder einem einem Certified Scrum Coach (CSC). Bei der Scrum.org basiert die Zertifizierung auf einem Test.

Während bei der Scrum Alliance die Einheit von Interaktion und Zertifizierung die Alleinstellung ist, ist es bei Scrum.org genau das Gegenteil, nämlich die Trennung von Schulung und Zertifizierung. Wegen dieser unterschiedlichen Philosophien haben sich auch beide Organisationen getrennt …

Ein Certified Scrum Master der Scrum Alliance hat also immer zwingend eine offizielle Schulung besucht. Ein Professional Scrum Master der Scrum.org hat den Test bestanden – eine Schulung muss er nicht gehabt haben.

Der wesentlichen Unterschied zwischen einem lizenzierten und einem nicht lizenzierten Scrum Training

Die Anforderungen an die lizenzierten Trainer sind extrem hoch. Bei der Scrum Alliance ist dies ein Certified Scrum Trainer (CST). Bei der Scrum.org ist dies ein Professional Scrum Trainer (PST). Um Trainer zu werden bedarf es mehrjähriger Erfahrung, Co-Trainings und einer Prüfung vor einem Komitee. Um lizenzierter Trainer zu bleiben benötigt es ständige Fortbildung. Typischerweise sind lizenzierte Trainings interaktive Workshops mit einem „Training from the back of the room“.

Schulungen ohne lizenzierte Trainer (also ohne einen CST der Scrum Alliance oder einen PST der Scrum.org) unterliegen keinerlei Qualitätsprüfung. Häufig haben die Trainer auch nicht die mehrjährige praktische Erfahrung. Dadurch sind Inhalte oft falsch (z.B.: „im Sprint Review nimmt der Product Owner das Inkrement ab.“) und die Schulung didaktisch fragwürdig (Folienkino). Wäre das nicht so, hätte der Trainer sich vermutlich zertifizieren lassen.

Der wesentliche Unterschied zwischen einem CSM Training und einem PSM Training

Bei einem offiziellem Training mit einem lizenzierten Trainer sind die vermittelten Inhalte bei der Scrum Alliance und der Scrum.org weitgehend gleich. Der Anspruch an die lizenzierten Trainer ist ebenfalls ähnlich.

Allerdings muss ein CSM Training immer von einem lizenzierten Trainer der Scrum Alliance durchgeführt werden. Ein „CSM Training“ ist damit ein gewisses Gütesiegel für die Qualität der Schulung.

Das Risiko bei einem scheinbaren „PSM“ Training ist, dass es sich nicht notwendigerweise um eine offizielle Schulung handelt. Da die Prüfung ohne Schulung gemacht werden kann, gibt es viele umlizensierte Trainer, die einfach die PSM Prüfung mit anbieten. Es ist für Laien häufig nicht erkennbar, ob es sich um eine „PSM Schulung“ oder um eine „Schulung mit PSM-Test“ handelt. Hier muss man also genau hinsehen.

Punkt für Punkt Vergleich

Hier ist ein Vergleich der Schulungen und Zertifizierungen der beiden Scrum Organisationen, Punkt für Punkt.

Certified Scrum Master (CSM) oder Certified Scrum Product Owner (CSPO) Professional Scrum Master (PSM) oder Professional Scrum Product Owner (PSPO)
Zertifi­zierung Durch Interaktion und Test.

Die Philosophie der Scrum Alliance ist, dass die Zertifizierung als CSM auf einer Interaktion (typischerweise eine Schulung), dem Erleben von Scrum und einem Test beruht.

Durch einen Test.

Die Philosophie der scrum.org ist, dass die Zertifizierung als PSM von der Teilnahme an einem Training unabhängig ist.

Training Als Certified Scrum Master hat die Person immer ein lizenziertes Training durch einen Certified Scrum Trainer (CST) besucht. Das Training ist optional und führt alleine zu keiner Zertifizierung.

Als Professional Scrum Master muss die Person kein Training besucht haben.

Kritik Es gibt Certified Scrum Master, die einfach die Schulung abgesessen und die Prüfung so la-la bestanden haben. Es gibt Professional Scrum Master, die nie Scrum erlebt haben. Entweder weil sie nur die Prüfung gemacht haben, oder weil sie bei einer nicht lizenzierten Folienkino-Schulung waren, und dann die Prüfung gemacht haben.
Grundlage Offizieller Scrum Guide – dieser wird von beiden Organisationen (Scrum Alliance und Scrum.org) gemeinsam herausgegeben.

https://www.scrumguides.org

Offizieller Scrum Guide – dieser wird von beiden Organisationen (Scrum Alliance und Scrum.org) gemeinsam herausgegeben.

https://www.scrumguides.org

Kosten von Training und von der Zertifizierung Zwischen 1.200 EUR – EUR 1.600 EUR für ein offizielles Training (incl. Test).

Da Zertifizierung und Kurs eine Einheit sind, enthält der CSM-Kurs auch die Kosten der Zertifizierung.

Zwischen 1.200 EUR – EUR 1.600 EUR für ein offizielles Training (incl. Test).

Der Test alleine kostet 150$. Ein offizielles Training enthält die Kosten für den Test.

Niedrige Preise deuten darauf hin, dass es kein zertifizierter PST Trainer und kein offizielles PSM Training ist, sondern irgendeine Schulung mit anschließender PSM I Prüfung.

Materialien einer offiziellen Schulung Das „Was“ der Trainings ist standardisiert, aber nicht das „Wie“.

Es gibt detaillierte Standards, was in einem Training behandelt werden muss (die „Learning Objectives“). Diese Standards lassen offen, wie das Wissen vermittelt wird. Es gibt Trainings, die ganz ohne Folien auskommen und wie ein interaktiver Workshop funktionieren – und es gibt solche mit Folien.

Jeder Trainer hat sein eigenes Material (Folien, Übungen, Bücher). Dieses muss aber von anderen Trainern geprüft und zugelassen werden.

Das „Was“ und das „Wie“ ist standardisiert.

Es gibt vorgegebene Folien, die jedem Teilnehmer ausgehändigt werden müssen. Es gibt eine Reihe von Übungen, die zwingend durchgeführt werden müssen, und man darf nur wenige zusätzliche Folien in die Unterlagen einbringen.

Trainer können können die Inhalte aber auch interaktiv vermitteln.

Qualitätsprüfung der Trainer Die Trainer müssen mehrere Jahre Certified Scrum Professional sein, mit mehreren bereits zertifizierten Trainern zusammen trainieren und von diesen eine Empfehlung erhalten, und vor eine Kommission treten.

Hier stehen alle Kriterien für den Certified Scrum Trainer.

Die Trainer müssen mindestens vier Jahre praktische Scrum Erfahrung haben, sie müssen die PSM III Prüfung mit 95% bestanden haben, eine Train-the-Trainer Schulung besuchen und und vor eine Kommission treten.

Hier stehen alle Kriterien für den Professional Scrum Trainer.

Fortgeschrittene Zertifizierungen Bei der Scrum Alliance sind alle Zertifizierungen untrennbar mit einem Lernpfad verbunden und beinhalten immer eine Interaktion mit einem Certified Scrum Trainer oder Certified Scrum Coach. Das gilt auch für die fortgeschrittenen Zertifizierungen.

Die Stufen sind:

Bei der Scrum.org sind alle Zertifizierungen unabhängig vom Lernpfad.

Die Stufen sind:

PSM I ist eine Multiple Choice Prüfung, die testet, ob jemand die Grundlagen verstanden hat. PSM II sind Fallstudien  mit Multiple Choice Fragen und prüfen, ob jemand die Grundlagen auf Praxisfälle anwenden kann. PSM III sind Fallstudien mit Freitextfragen und der Prüfung, ob jemand verstanden hat, warum Scrum so ist wie es ist.

Re-Zertifi­zierung Bei der Scrum Alliance ist zur Aufrechterhaltung einer Zertifizierung eine Weiterentwicklung notwendig – getreu dem Motto: um Scrum zu können muss man es tun. Daher ist alle 2 Jahre eine Re-Zertifizierung notwendig, für die Fortbildung und Erfahrung nachgewiesen werden muss.

Die Re-Zertifizierung kostet beim CSM oder CSPO zur Zeit 100$.

Fortgeschrittene Zertifizierungen (siehe nächster Absatz) umfassen immer die Re-Zertifizierung der „niedrigeren“ Erfahrungsstufen. Wer also A-CSM wird, ist auch CSM.

Eine Re-Zertifizierung gibt es nicht.
Marktanteil ca. 2/3 ca. 1/3

 

 

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